ASS und das PAPA-Doc-Syndrom

Der Sinn – besonders langdauernder, auch niedrig dosierter, ASS-Gaben (Acetylsalicylsäure) zur Prophylaxe von Herzinfarkt wird nun von anerkannten Spezialisten in Frage gestellt.

Prof. Dr. John Cleland, ein bedeutender Kardiologe aus Glasgow, beschreibt das Dilemma wie folgt: “Aspirin ist ein gutes Beispiel für jene Schlamperei, wie sie durch Leute hervorgerufen wird, die voreilige Schlüsse ziehen, welche auf Wunschdenken und fehlerhaften Daten beruhen“.  Anlass seines Unmuts ist eine erneute Studie zur Low-dose-ASS und den womöglich günstigen Effekten.

Dr. Christian Madelaire vom Universitätsklinikum Kopenhagen und Kollegen stimmen ihm zu. Die Langzeitgabe von mit niedrig dosiertem ASS bei Herzinsuffizienz-Patienten nütze nichts und könne sogar noch schaden.
Die Gesamtsterblichkeit war unter Low-dose-ASS nicht geringer, das Herzinfarktrisiko sogar erhöht. Hinzu käme, dass ASS-behandelte Patienten häufiger eine Krankenhausbehandlung benötigten als nicht mit ASS behandelte Patieten – vor allem aufgrund eingeschränkter Nierenfunktion.

Madelaire und Kollegen spekulieren, dass ASS über seine gerinnungshemmende Wirkung anscheinend die Instabilität atherosklerotischer Plaques fördere.
So kann ASS also genau das auslösen, was eigentlich verhindert werden sollte: nämlich Infarkte!
Die durch das Präparat hervorgerufenen Blutungen (auch Mikroblutungen z. B. im Magen-Darm-Trakt) fördern zudem das Entstehen von Anämien, weil Blut und Eisen verloren gehen.

Die Langzeit-ASS-Verordnung sei zur Gewohnheit, speziell der Kardiologen, geworden, so Cleland. Er vergab hierfür den Namen PAPA-DOC-Syndrom:
Physicians Addicted to Prescribing Aspirin – a Disorder Of Cardiologists.

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